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Hausbootferien Canal du Midi und Canal de la Robine
Nach dem wir in den letzten Jahren überwiegend ferne Länder bereist haben, wollten wir dieses Jahr einmal etwas ganz anderes Unternehmen, nämlich Hausbootferien auf dem Canal du Midi und dem Canal de la Robine!
Mit Hausbootferien verbinden wir gemütliches dahin gleiten, Naturerlebnisse sowie Zeit für unsere Familie und uns selbst.
Die größten Anbieter für Hausbootferien am Canal du Midi sind Connoiseuer und Crown Blueline. Wir haben die Caprice über DerTour bei Connoisseur gebucht. Man kann auch direkt buchen aber via DerTour haben wir 200 € gespart.
am Canal de la Robine
Vorbereitung
Bevor es losgehen konnte mussten wir uns jedoch noch theoretische Kenntnisse aneignen. Hierfür erhält man vom Reiseveranstalter ein so genanntes Kapitänshandbuch in dem wissenswertes zu Verkehrsregeln, Schleusen sowie Bedienung und Funktionsweise des Boots beschrieben ist. Die Route haben wir mit dem Führer für Binnengewässer Canal du Midi (Mittelmeer-Toulouse) von Bernd-Wilfried Kiessler und dem Buch Bootsferien in Frankreich Top Reviere Band 1 von Andrea Raulf geplant. Weiterhin mussten Lebensmittel für 14 Tage eingekauft werden um vor Ort nur noch frische Waren einkaufen zu müssen.
Anreise
Starten sollte unsere Tour in Narbonne, da wir aber nicht an einem Stück durchfahren wollten, haben wir einen Zwischenstopp in Nimes eingeplant um uns gemütlich auf die Ferien einzustimmen und die Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das römische Amphitheater und den Diana Tempel anzuschauen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn wegen eines Problem mit dem Auto konnten wir die Stadt nicht anschauen. Am Abend haben wir dann wenigstens noch die Arena gesehen und konnten noch schön Essen gehen. Übernachtet haben wir im Novotel, das sehr kinderfreundlich war. Glücklicherweise gab es am nächsten Tag keine Probleme mit dem Auto mehr, so dass wir die letzten 150 km Fahrt genießen konnten und die Vorfreute auf unser Hausboot sich nun endgültig einstellte.
In Narbonne angekommen, waren wir überrascht wie groß unser Hausboot war. Da das Boot noch gereinigt wurde haben wir zunächst einen Bummel am Canal entlang unternommen und in der sehr schönen Innenstadt von Narbonne zu Mittag gegessen. Nach dem Mittagessen konnten wir dann „unsere“ Caprice übernehmen und eine erste Probefahrt unter Anleitung unternehmen.
Narbonne
Ein Boot ist doch kein Auto
Am nächsten Tag sollte unsere Fahrt mit Ziel Bezier losgehen. An der ersten Schleuse wurden wir noch von einem Connoisseur Mitarbeiter begleitet. Danach waren wir auf uns alleine gestellt! Da wir noch nie zuvor ein Boot gesteuert haben und ein sehr starker Wind blies waren die ersten Kilometer ein ungewollter Slalom auf dem Kanal. So hatten wir uns die Bootsferien nicht vorgestellt! In der Werbung der Anbieter wurde das Bootfahren sehr einfach dargestellt. Jeder der ein Auto fahren kann… an der ersten Schleuse war der Horror dann perfekt, der starke Wind und unsere unzureichenden Fahrkenntnisse verhinderten eine reibungslose Einfahrt! Da uns das Risiko für Experimente mit unseren Kindern zu hoch war sind wir wieder nach Narbonne zurückgefahren und haben das Boot durch einen Connoisseur Mitarbeiter durch die Schleuse fahren lassen. Wir haben dann nach einer ausführlicheren Einweisung gefragt eine Stunde Probefahrt ist doch entschieden zu kurz! Leider war Connoisseur nur bereit uns zur nächsten Schleuse zu bringen, da alle Mitarbeiter ausgebucht seien. Schließlich hat sich dann ein Mitarbeiter privat für Bootstunden zur Verfügung gestellt, was uns 70 € gekostet hat! Wir finden hier macht es sich Connoisseur sehr einfach. Wir empfehlen dringend auf eine sehr ausführliche Probefahrt zu bestehen!
Am nächsten Tag sind wir zusammen mit unserem Lehrer nach Port la Nouvelle gefahren und haben die Schleusen von Narbonne, Mandriac und Ste-Lucie gemeistert. In Port la Nouvelle angekommen, haben wir einen ausgiebigen Spaziergang am Meer genossen.
Nun waren wir endgültig auf uns alleine gestellt, aber dank der guten Einweisung unseres Lehrers stellten die drei Schleusen nach Narbonne kein Probleme mehr dar, auch wenn wir sämtliche Anfängerfehler gemacht haben.
Narbonne
Wieder in Narbonne angekommen haben wir den nächsten Tag zu ausgiebigem Shopping und einer ausführlichen Stadtbesichtigung genutzt. Sehenswert sind vor allem die Kathedrale St-Just, der ehemalige Bischofspalast, das Archelogische Museum und das Museum de l’Horreum (römisches Weinlager). Überhaupt ist die ganze Stadt sehr sehenswert vor allem am Kanal und rund um den Bischoffspalast. Auch die beiden Märkte die jeden Tag am Morgen stattfinden sind einen Besuch wert.
Bischofspalast in Narbonne
Narbonne bis le Somail
Nun sollte es aber endgültig Richtung Canal du Midi gehen, obwohl unser ungeplanter Abstecher nach Port la Nouvelle sehr schön und abwechslungsreich war. Unser Ziel war zunächst le Somail. Hierbei galt es die Schleusen Gua, Raonel, Moussoulens, Gailhousty (Doppel Schleuse), Salles – d’Aude, St-Cyr, Argeliers, Empare, Truilhas und Cesse zu meistern. Diese 11 Schleusen schienen und durch das bisher erlebte eine wahre Herausforderung zu sein. Doch diesmal gab es keine Probleme mehr … aus einem Gespräch mit einer andern Bootsbesatzung wussten wir auch, dass wir nun nicht mehr die schlechtesten Hausbootfahrer auf dem Canal waren! Aber anstrengend war es schon ein bisschen, daher war am nächsten Tag relaxen in le Somail angesagt.
Schleusen
le Somail
Sehenswert sind hier vor allem der Ausblick am Canal und das Hutmuseum. Bisher konnten wir mit Hüten nicht sehr viel Anfangen und mit einem Hutmuseum schon gar nicht. Dieses Hutmuseum ist aus unserer Sicht jedoch einen Besuch wert.
le Somail
le Somail bis Argens Minervois
Weiter ging es nicht wie ursprünglich geplant nach Bezier sondern Richtung Carcassonne, entlang der verschlafenen Dörfer Ventenac-en-Minervois, Paraza und Roubia nach Argens Minervois. Kurz vor Argens Minervois galt es noch die Schleuse Argens zu meistern, aber in der Zwischenzeit hatten wir ja schon Übung. Diese Schleuse war auch die erste mit einem kauzigen Schleusenwärter, die anderen waren alle automatisch zum selbst Schleusen. Der Schleusevorgang ist bei den automatischen Schleusen sehr einfach. Eine Person drückt an einem Steuerungskasten mit Pfeiltasten die Fahrtrichtung, hiernach öffnet sich die Schleusentür und man erhält grünes Licht zur Einfahrt. Nach der Einfahrt wird das Boot an den Pollern gesichert und die Schleusung wird auf Knopfdruck eingeleitet. Nach Abschluss der Schleusung öffnet sich die Schleusentür zur Ausfahrt. An diesem Teil der Strecke war vor allem die Landschaft sehenswert. Die Dörfer selbst haben wenig zu bieten. In Argens Minervois konnten wir direkt an einem schönen Spielplatz anlegen und übernachten, was für die Kinder natürlich sehr toll war.
Niedrige und enge Brücken
Argens Minervois bis Poilhes
In diesem Urlaub war eigentlich der Weg das Ziel. Daher entschlossen wir uns abermals die Route zu ändern. Wenn wir weiter nach Carcassonne fahren würden wären wir nur mit Fahren und zeitaufwendigen Schleusen beschäftigt gewesen. Da wir ja die ganze Strecke wieder nach Narbonne zurückfahren müssten. So entschlossen wir uns nun bis zur Schleusentreppe Fonserannes kurz vor Bezier zu fahren und danach noch einmal nach Port la Nouvelle ans Meer zu fahren.
Es lässt sich nur schwer beschreiben wie schön und abwechslungsreich die Landschaft am Canal du Midi ist. Weinberge, Pinien, Platanen, Schilf, Weizenfelder, Hügel und Ebenen wechseln sich ständig ab. So vergehen die Tage auf dem Wasser wie im Flug. Auf der heutigen Tagesettape war der Hafen von Capestan leider schon ziemlich voll. So sind wir dann in den nächsten Ort Poilhes weitergefahren. Neben der Möglichkeit Wasser zu tanken bietet der Ort selbst allerdings nicht viel.
Landschaft am Kanal Wo gehts hier zur Kombüse?
Poilhes bis Colombier (Malpas Tunnel und Schleussentreppen von Fonseranne)
Am nächsten Morgen ging es dann zu zwei der größten Sehenswürdigkeiten am Canal Du Midi dem Malpas Tunnel und den Schleusentreppen Fonseranne. Nach der Durchfahrt des 160 Meter langen Malpas Tunnel fuhren wir an der Ortschaft Colombiers vorbei in der wir am Abend übernachten wollten um uns zunächst die Schleusentreppen anzuschauen. Es ist schon beeindruckend was der Erbauer des Canal du Midi Paul Riquet nach nur 15 jähriger Bauzeit bereits 1681 geleistet hat. Von den Schleusentreppen hat man eine hervorragende Aussicht auf Bezier. Nach dem wir die Schleusentreppen besichtigt hatten ging es zurück nach Colombier. Wie die meisten Orte am Canal du Midi hat der Ort ein schönes Stadtbild. Der Hafen ist sehr modern und bietet neben einen Supermarkt, Wasser und Stromanschluss auch einige Restaurants und eine Bar. Abends kamen wir auch in den Genuss von Lifemusik da eine Band im Hafen ihren Proberaum eingerichtet hat.
Schleusentreppen Fonseranne Hafen von Colombiers
Colombier bis Narbonne
Pünktlich um 10:00 Uhr wie jeden Tag in diesem Urlaub starteten wir unsere nächste Tagesetape zurück Richtung Narbonne. Es ist kein Nachteil die gleiche Strecke wieder zurückfahren zu müssen, denn hierbei hat man die Gelegenheit besonders schöne Gebiete noch einmal zu sehen und an diesen Stellen noch etwas länger zu verweilen. Besonders schön war der der Abschnitt zwischen Argeliers und der Abzweigung zum Canal de jonction der den Canal du Midi mit dem Canal de la Robine verbindet. Erwähnenswert ist auch die Artenreiche Tierwelt die man am Kanal antrifft. Unter anderem haben wir folgende Tiere gesehen: Rehe, Wasserschlangen, Fischotter, Bisamratten, Wasserschildkröten, Eidechsen, verschiedene Entenarten und zahlreiche andere Wasservögel.
Verbindung Canal du Midi mit Canal de la Robine
Eigentlich wollten wir uns die 11 Schleusen bis Narbonne auf zwei Tage aufteilen und in Salles-d’Aude übernachten. Leider ist dieser Hafen ziemlich heruntergekommen und es lungern sehr zwielichtige Gesellen herum. Die Strom und Wasserversorgung waren auch zerstört. So haben wir uns entschlossen direkt nach Narbonne zu fahren und die 11 Schleusen an einem Tag zu meister. Schließlich waren wir jetzt ja auch schon Profis und haben das ganze ziemlich routiniert gemeistert. Obwohl uns das Schleusen in der Zwischenzeit Spaß machte ist es für 2 Erwachsene sehr zeit- und arbeitsintensiv, wenn gleichzeitig auch noch Kinder beaufsichtigt werden müssen. Weiterhin müssen auch die Öffnungszeiten 9:00 bis 12:00 Uhr und 13:30 bis 19:00 Uhr berücksichtigt werden. (auch bei automatischen Schleusen ohne Schleusenwärter!) Eine weitere Eigenheit von Schleusen sie sind häufig defekt wir haben dies 3-mal in den 14 Tagen erlebt.
Narbonne bis Port la Nouvelle
Nach einer geruhsamen Nacht in Narbonne besichtigten wir am Morgen zunächst die Markthalle und füllten unseren Proviant für die letzten Tage am Meer auf. Die Fahr nach Port la Nouvelle war dieses mal nicht so windig, so konnten wir die Naturschönheiten des Etang de Buges et de Sigean nun richtig genießen. An der Schleuse Ste-Lucie machten wir unsere Mittagspause und danach einen Spaziergang in diesem wunderschönen Naturschutzgebiet. In Port la Novelle angekommen legten wir am gleichen Liegeplatz an, den wir schon beim ersten Besuch belegt hatten. Da es schon recht spät war haben wir gegrillt und den Strandbummel auf den nächsten Tag verschoben.
Etang de Buges et de Sigean Port la Nouvelle
Am frühen morgen wurden wir von einer Rangierlok geweckt die über eine alte Eisenbahnbrücke unter der unser Boot lag donnerte. Port la Novelle könnte seinen Binnenhafen ruhig etwas aufwerten, denn das Städtchen ist, selbst wenn es durch die Hafenindustrie geprägt ist, sehr reizvoll. Der Hafen für Hausboote ist jedoch sehr abschreckend – trotzdem sollte man sich hiervon nicht abschrecken lassen!
Nach einem schönen Tag am Meer verließen wir Port la Nouvelle um nur 3 Kilometer weiter an der Ile Ste-Lucie zu übernachten.
Fazit
Noch einmal ging es nun zurück nach Narbonne um die Bootsübergabe zu machen. Schlussendlich haben wir 36 Schleusen gemeistert. Ein schöner Urlaub ging viel zu schnell zu Ende. Selbst wenn nicht alles wie geplant geklappt hat, wurden unsere Erwartungen übertroffen. Wir werden sicher bald wieder einmal eine Hausbooturlaub machen.
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